Historisches Dokument aus Briest an das Landesarchiv übergeben
Pressemitteilung Nr. 173/2026
Maren von Bismarck schenkt mittelalterliches Doppelblatt aus dem Memorienverzeichnis des Stifts St. Nicolai dem Landesarchiv Sachsen-Anhalt
Im Herrenhaus Briest wurde am 16. Juli 2026, ein besonderes Zeugnis der Landesgeschichte feierlich an das Landesarchiv Sachsen-Anhalt übergeben. Maren von Bismarck überreichte das über Generationen im Familienbesitz bewahrte mittelalterliche Dokument an den Leiter des Landesarchivs, Dr. Ralf Lusiardi.
Bei dem historischen Papier handelt es sich um ein Doppelblatt aus dem verschollenen Memorienverzeichnis des Stifts St. Nicolai zu Magdeburg. Es enthält Einträge zu acht Tagen im Oktober. Das eigentliche Memorienverzeichnis ist nicht mehr erhalten. Umso bedeutender ist dieses seltene Original, das einen unmittelbaren Einblick in das mittelalterliche Leben ermöglicht.
Ein Memorienverzeichnis war eine Art Gedächtnisbuch. Darin wurden Verstorbene, Stifter und Wohltäter eingetragen, an die an bestimmten Tagen erinnert und für die gebetet wurde. Für die heutige Forschung geben solche Dokumente wichtige Hinweise auf Menschen, Familien und kirchliche sowie gesellschaftliche Verbindungen ihrer Zeit.
Die wissenschaftliche Bedeutung des Doppelblattes haben Dr. Beate Braun-Niehr und Prof. Dr. Klaus Niehr untersucht und in ihrem Beitrag „Acht Tage im Oktober – ein Doppelblatt aus dem verschollenen Memorienverzeichnis des Stifts St. Nicolai zu Magdeburg“ aufgearbeitet. Beide Wissenschaftler nahmen an der Übergabe in Briest teil und stellten den Gästen das Dokument und seine Geschichte vor.
Bürgermeister Andreas Brohm würdigte die Schenkung:
„Manchmal genügen zwei alte Blätter, um ein Fenster in eine viele Jahrhunderte zurückliegende Zeit zu öffnen. Maren von Bismarck und ihre Familie haben dieses bedeutende Dokument bewahrt. Mit der Schenkung an das Landesarchiv wird es nun dauerhaft gesichert und für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich. Dafür gebührt ihr großer Dank.“
An dem kleinen Empfang nahmen neben den beteiligten Wissenschaftlern zahlreiche Mitglieder, Förderer sowie Unterstützerinnen und Unterstützer des Fördervereins Briest teil. Ihr Engagement trägt wesentlich dazu bei, das Herrenhaus, den Gutspark und die Geschichte Briests zu erhalten und stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Mit der Übergabe an das Landesarchiv Sachsen-Anhalt wird das Doppelblatt künftig fachgerecht aufbewahrt, wissenschaftlich erschlossen und dauerhaft erhalten. Aus einem über Generationen bewahrten Stück Familienbesitz wird damit ein öffentlich zugängliches Zeugnis der Geschichte Sachsen-Anhalts.
Die Übergabe verbindet in besonderer Weise die mehr als 600-jährige Geschichte der Familie von Bismarck in Briest mit der Landesgeschichte. Sie zeigt zugleich, wie wichtig privates Engagement und die Arbeit von Archiven und Fördervereinen für die Bewahrung des gemeinsamen kulturellen Erbes sind.